 Das diese Woche veröffentlichte „Schwarzbuch Landwirtschaft“ zieht weitere Kreise. Bei der heutigen Pressekonferenz der österreichischen „Agrartroika Landwirtschaftsministerium-Landwirtschaftskammern-Bauernbund“ auf der AGRARIA 2010 in Wels ging es zwar vorgeblich um die Eckpunkte der agrarpolitischen Herbstarbeit, des Agrarbudgets 2011 sowie der GAP-Zukunft, doch das wirkliche Hauptthema war die aktuelle Diskussion über den Buchinhalt. Bauernbund-Präsident Fritz Grillitsch (ÖVP) ritt dabei heftige Attacken gegen das Buch und dessen Autor. Wörtlich sprach Grillitsch davon, dass dieses „Buch vom Koalitionspartner SPÖ in Auftrag gegeben wurde“, womit für ihn „die Schmerzgrenze erreicht sei.“ Die Bauern hätten es sich zudem nicht verdient, wegen der berechtigten Ausgleichszahlungen für ihre Leistungen in eine parteipolitisch motivierte Neid- und Eigentumsdiskussion zu kommen. Die SPÖ und ihr nahestehenden Organisationen sollen endlich „diese Diskussionen aus der politischen Mottenkiste“ unterlassen. Minister Nikolaus Berlakovich (ÖVP) und der oberste Bauernkammerchef Gerhard Wlodkowski (ÖVP) stimmten dem in ihren Ausführungen zu. Doch der sichtlich aufgebrachte Bauernbund-Frontmann doppelte noch Eins drauf. Grillitsch im Wortlaut: „Dieses Buch ist von einem Kriminellen geschrieben, der selbst vorbestraft ist.“ Und: „Es wird Klagen geben.“ Will Immunität freiwillig aufgeben Auf entsprechende Nachfragen mehrerer Journalisten bekräftigte der Spitzenfunktionär seine Vorwürfe und sprach von einem entsprechenden Informanten, dessen Namen Grillitsch aber nicht bekanntgab. Auch hätte der Autor vor einigen Jahren jemanden in seinem persönlichen Umfeld angestiftet, den damaligen Bundeskanzler Wolfgang Schüssel anzupatzen – Anm. der Redaktion: es ging dabei um den Vorhalt, dass die Familie Schüssel eine illegale Pflegerin beschäftigen würde – und diese sei dafür genauso wie er selbst verurteilt worden. Sollte er für diese Aussagen, zu denen er steht, geklagt werden, werde er umgehend und freiwillig seine Abgeordnetenimmunität im österreichischen Parlament aufgeben. Zu den Angriffen des Parteikollegen befragt, schloss sich Landwirtschaftsminister Berlakovich diesen nicht an. Er beschäftige sich nicht mit dem Buch, hätte auch keine Veranlassung dieses zu lesen. Das dlz agrarmagazin distanziert sich ausdrücklich von den genannten Vorhalten, es gilt die Unschuldsvermutung. Aus dem Bauernbund heißt es laut einer Sprecherin, man wünsche sich sogar eine Klage des Autors oder des Verlages. (dlz agrarmagazin /sp)
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